24 Stundenrennen Schötz

am .

Infobox
  Distanz 880km
  Höhe 4000m
  Zeit 24:03.14,5
  Rang 4
  Link zur Rangliste

 

Bei der Saisonplanung 2010 im letzten Herbst, bat mich mein Hauptsponsor, Stöckli Outdoor Sports, ein 24-Stundenrennen in Schötz einzuplanen. Da Schötz sehr nahe von Wolhusen liegt, wo auch der Hauptstandort von Stöckli Outdoor Sports ist, würden Sie sich speziell darüber freuen, einmal einen Stöcklifahrer am Start zu haben.

Da ich bereits im Vorfeld beide Langdistanzenrennen mit dem 2. Rang absolviert hatte, zählte ich in Schötz, zusammen mit dem Vorjahressieger, Marcel Renggli, als Favorit. Das Schweizer Fernsehen nahm mit mir Kontakt auf und fragte mich an, ob es möglich sei, vor und während dem Rennen ein paar Aufnahmen von mir zu machen. Das freute mich natürlich sehr.

Trotz einer langen und mühsamen Fahrt von Murten nach Schötz, kamen wir pünktlich zum Rennbreafing an. Dort trafen wir Anita und Christoph, die wir am Glocknerman kennengelernt hatten. Da Beide das 24-Stundenrennen in Schötz schon mehrmals gefahren sind, konnten Sie mir und meinem Team im Vorfeld sehr wertvolle Tipps geben.

Nachdem das Team eingerichtet war und ich mich fertig eingefahren hatte, wollte ich mich, um eine gute Position zu haben, frühzeitig beim Start einreihen. Als ich beim Start ankam, kam die Startleitung zu mir und teilte mir mit, dass ich erst 10 Minuten vor Rennbeginn hierher zu kommen brauche. Da ich zu den Favoriten gehöre, hätte ich die Priorität, zuvorderst einzustehen.

Kurz vor dem Start reihte ich mich in der vordersten Reihe ein und stellte mich Marcel Renggeli und seinen zwei Helfern vor. Das Schweizer Fernsehen filmte uns dabei. Nach einem kurzen Interview ging es dann pünktlich um 16. 00 Uhr los. Die ersten Kilometer waren neutralisiert, so dass man sich, bevor das Tempo dann hochgeschraubt wurde, noch ein wenig miteinander unterhalten konnte.

Nach 4 Stunden Fahrt, schaute ich auf den Zähler. Wir waren mit einem Durchschnitt von 42h/km unterwegs. Um Kraft und Energie zu sparen, befanden Marcel Renggli und ich uns mitten im Feld. Während diesen 4 Stunden hatte er bereits schon einmal gepinkelt. Er wurde von seinen Helfern geschoben, so dass er den Anschluss zum Feld nicht verlieren konnte. Ich konnte es mir bisher verkneifen.

Jetzt war es aber so weit. Ich musste unbedingt Wasser lassen. Ich machte mir viele Gedanken, wie ich das erledigen könnte, ohne den Anschluss zu verpassen. Leider fand ich keinen Helfer im Feld, der mir behilflich sein wollte. Ich versuchte es während der Fahrt mehrmals alleine, leider aber ohne Erfolg. Da ich deshalb anhalten und vom Rennrad absteigen musste, fuhr mir das Feld zum ersten Mal davon. Als ich am Strassenrand stand und mich von diesem Druck befreite, fiel mein Puls endlich einmal runter und dadurch erlitt ich eine Unterzuckerung. Mir wurde für eine kurze Zeit schwindlig und ich sah alles doppelt. Um nicht noch mehr wertvolle Zeit zu verlieren, stieg ich trotzdem sofort wieder aufs Rad und reihte mich im 2. Feld ein und fuhr weiter. Schnell merkte ich, dass dieses Tempo für mich zu langsam war. Ich fuhr mit meinem eigenen Tempo dem Feld voraus. Nach 3,5 Runden holte mich das Spitzenfeld ein und ich konnte mich wieder an meinem alten Platz einreihen.

Nach einigen Runden war es dann wieder so weit und ich musste erneut anhalten um zu pinkeln. Regelmässig nach 6 Runden mit dem Spitzenfeld musste ich anhalten um zu Pinkeln und danach 3 Runden alleine fahren, bevor ich mich wieder im Feld einreihen konnte.

Auf einer Runde, die ich alleine fuhr, konzentrierte ich mich zu wenig auf die Strasse und fuhr in ein kleines Loch. Die Folge war, dass ich einen Platten reparieren und das Spitzenfeld einmal durchfahren lassen musste, ohne dass ich mich wieder einreihen konnte. Das kostete mich zum ersten Mal sehr viel Zeit.

Meine Fahrt durch das kleine Loch, verursachte wahrscheinlich im Reifen einen kleinen Schlitz. Ein paar Stunden später hatte ich plötzlich einen weiteren Platten. Da ich dieses Mal noch bis zu meinem Team rollen konnte, wechselten wir den Schlauch gemeinsam. Das Timing wäre perfekt gewesen. Das Spitzenfeld war unterwegs zu uns und ich hätte mich sofort wieder einreihen können. Ein Teammitglied sah jedoch plötzlich, wie der Schlauch aus dem Pneu drückte und gleichzeitig knallte es. Ohne einen Meter zu fahren, hatte ich wieder einen Platten. Das Spitzenfeld zog durch und wird mussten nicht nur den Schlauch sondern auch noch einen Pneu wechseln. Dies kostete mich schlussendlich den 2. Rang.

Da es in der Nacht ziemlich kalt wurde, spürte ich Schmerzen in meinen Knien. Um diese zu lindern, hielt ich bei meinem Team an und liess mir die Knie mit einer wärmenden Salbe einreiben.

Ein Rennen ohne Regen gibt es bei mir anscheinend nicht. Dieser Gedanke ging mir durch den Kopf, als ich am Sonntagmorgen die schwarzen Wolken am Himmel sah. Kurz darauf fing es zu regnen an. Die nächsten Stunden fuhren wir im Regen. Da zu diesem Zeitpunkt mein Schatz aus Murten angereist war und mich zusammen Freunden am Strassenrand anfeuerte, strahlte für mich trotzdem die Sonne.

Die letzten Stunden bis 16.00 Uhr konnten wir zum Glück wieder im Trockenen fahren und dadurch wurde das Feld auch wieder schneller, da es auf dem Weltrekordkurs lag. Bis ich

90 Minuten vor Schluss ein letztes Mal Pinkeln musste, konnte ich ca. 7 Runden mit dem Spitzendfeld mitfahren. Mein Plan war, die letzten 40 Minuten nochmals mit dem Spitzenfeld mitzufahren. Als sie mich dann aber überholten, brachte ich die Kraft nicht mehr in die Pedale um das hohe Tempo mitzufahren und fuhr die letzten 40 Minuten alleine Runde für Runde, wie ich es mir bereits gewöhnt war.

Um 16.00 Uhr, nach 24 Stunden, absolvierte ich 88 Runden. Das bedeutete 880 Kilometer und der 4. Rang. Die 2. und 3. Platzierten fuhren nur eine Runde mehr!! Das ärgerte mich zunächst sehr, aber was ist schon eine Runde! Einen Platten weniger und ich wäre schon wieder auf dem 2. Rang gewesen. Das zeigt mir auf, wie nahe Sieg und Niederlage zusamenliegen.