TorTour

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Infobox
  Distanz 1001km
  Höhe 14'578m
  Zeit 42:03.00,00
  Rang 10
  Link zur Rangliste

 

Am Wochenende vom 12. + 13. August fand zum 3. Mal die Tor Tour statt. 112 Teams nahmen bei dem Rennen über 1'000 Kilometer und 15'000 Höhenmeter rund um die Schweiz teil. Darunter auch ich mit meinem 8 Köpfigen Betreuerteam.

Am Mittwochnachmittag fuhr ich mit meinem treuen Freund Osi nach Neuhausen damit wir am Donnerstagmorgen pünktlich die Startnummer 113 abholen konnten. Der Rest des Teams reiste am Donnerstagvormittag an.

Während dem dass die Teammitglieder von Murten nach Neuhausen reisten, bereitete ich mich mit Osi für das Rennen vor. Während der Fahrt vom Hotel Richtung Startgelände trafen wir die erste bekannte Person. Es war der diesjährige RAAM-Sieger Christoph Strasser den wir mit dem Auto auf der Strasse überholten. Er war Unterwegs zu einem Fotoshooting. Trotzdem hielt er kurz an und unterhielt sich mit uns. Seit dem Glocknerman 2010 halten wir zwei regelmässig E-Mail Kontakt.

Danach ging es weiter zum Startgelände. Das Begleitfahrzeug und die beiden Fahrräder mussten vorschriftsgemäss beklebt und ausgerüstet werden. Gegen 11 Uhr wurden die Fahrzeuge von den Rennkommisaren abgenommen. Die Richtlinien waren sehr streng. Jedoch gab es an unseren Fahrzeugen nichts zu bemängeln. Danach traf ich die zweite grosse Persönlichkeit. Der zweifacher RAAM-Sieger Dani Wyss aus dem Wallis. Auch wir zwei kennen uns bereits über diverse Mailverkehre. Jedoch war dies der erste persönliche Kontakt zwischen uns zwei.

Pünktlich zum Mittagessen trafen die restlichen der Teammitglieder in Neuhausen ein. Folgende Gruppe wurde aus den 8 Betreuer gebildet: 2 Betreuerteams mit je einem Autofahrer, einem Navigator und einem Masseur. Ein Medienteam aus 2 Personen welche das Rennen in Bildern festhalten.

Gegen 15 Uhr bereitete ich mich für den 1 Kilometer langen Prolog mit einer 20% Steigung vor. Um 16:26 Startete ich den Prolog und gab 1:29 Minuten lang alles was ich konnte. Mit dieser Zeit besetzte ich den 6. Platz. Dies bedeutete, dass ich als 6. ins Rennen starten konnte. Somit war meine Startzeit Freitagmorgen um 03:04 Uhr. Nach dem Prolog musste ich sofort ausfahren und mich mit Sponsergetränke verpflegen, damit meine Beine nicht Übersäuren.

Nach einer gemeinsamen Pasta-Party im Zielgelände, zogen wir uns ins Hotel zurück um die letzten Vorbereitungen zu treffen. Das Team richtete das Begleitfahrzeug ein und ich konnte eine letzte Massage geniessen. Um 20:30Uhr schlug für mich die Nachtruhe ein.

Um 1 Uhr weckte mich mein Team und wir frühstückten zur ungewohnten Zeit zusammen. Für mich gab es mein lieblingsfrühstück von Sponser Food, das Power Porridge Müesli. Nach dem Frühstück fuhren wir zum Startgelände wo schon einiges los war. Hell beleuchtet und ca. 112 Teams bereiteten sich auf den Start vor.

Jetzt ging es Schlag auf Schlag und der Startschuss viel pünktlich um 03:04Uhr! Mitten in der Nacht versuchte ich meinen Rhythmus für die 1'000 Kilometer und 15'000 Höhenmeter zu finden. Dies war anfangs sehr schwer, da die Beine noch ein wenig müde waren und man auch nicht wusste, wie schnell die vorderen Mitstreiter fuhren. Als ich von Neuhausen weg war, sah man auch schon bereits die Lichter von den anderen Solofahrern. Das gemeinsame Fahren war aber strengstens verboten. Man musste einen Mindestabstand von 50 Meter zum Vordermann haben. Ansonsten hätte es eine Zeitstrafe gegeben. Dies wurden auch von ca. 40 Motorfahrrädern regelmässig geprüft.

Ich reihte mich in die fahrende Kolonne im vordersten Teil ein und nahm das Tempo dieser langen Gruppe an und konzentrierte mich, den Abstand von 50Meter immer schön gleich zu halten. Leider hatte ich nach einigen Kilometer Pech und musste bei einer Roten Ampel stehen bleiben. Die Lichter der Mitbewerber wurden immer kleiner. Als ich und mein Team grün hatten, war von den vordersten Solofahrern nichts mehr zu sehen! Jetzt setzte ich alles auf eine Karte und gab richtig Gas. Nach ca. 30 Minuten holte ich die Spitzengruppe wieder ein und konnte mich wieder hinten anreihen. Diese Aufholjagt benötigte viel Kraft, jedoch war es für mich sehr wichtig, die Spitze nicht schon am Anfang zu verlieren.

Langsam wurde es heller und der Morgen brach an. Es war ziemlich frisch und wir fuhren vom Bodensee weg Richtung Buchs. In Buchs trafen wir um 06:48 Uhr ein. Dies war die 3. Time-Station die ich als fünfter Fahrer absolvierte. Bei jeder Time-Station musste sich jeder Fahrer auf der Liste eintragen. Bis hier her war die Strecke ziemlich flach. Von jetzt an fing es aber kontinuierlich an zu steigen. Der erste Teil von 50 Kilometer und 900 Höhenmeter absolvierte ich noch mit dem Triathlonrennrad. Bei der Time-Station 4 in Küblis wechselte ich aber dann auf das normale Rennrad. Jetzt war ein Pass nach dem anderen angesagt! Zuerst befuhren wir den Flüelapass, dann den Julierpass. Weiter ging es über den Oberalppass zum Gotthardpass und zu guter Letzt über den Nufenenpass Richtung Wallis.

Die Pässe befuhr ich alle zum ersten Mal. Somit war es schwierig für mich, die Kräfte dementsprechend einzuteilen. Ich versuchte jegliche Zeitlimiten die ich mir im Vorfeld gesetzt hatte, einzuhalten. Das Betreuerteam hinter mir informierte mich immer über meinen aktuellen Vorsprung den ich zur dieser Zeit mit etwa 20 Minuten auf meine Zeittabelle hatte

Freitagnachmittag um 15:03 Uhr traf ich in Bonaduz ein, wo dann das Betreuerteam wechselte. Bis auf die Knieschmerzen die sich bereits zur frühen Stunde bemerkbar machten, fühlte ich mich sehr gut. Ich konnte regelmässig Essen und Trinken. Verpflegt habe ich mich mit selber gemachten Sportriegeln von der Bäckerei Aebersold aus Murten und mit dem Sportsirup von Sponser.

Mit dem ausgeschlafenen Team 2 ging es fast im gleichen Tempo weiter Richtung Wallis. Wegen den Knieschmerzen und den hohen Pässen konnte ich leider mein geplantes Tempo nicht ganz durchziehen. Somit verlor ich immer wie mehr auf meine Marschtabelle.

Mit dem Wetter hatten wir riesiges Glück. Es schien den ganzen Tag die Sonne und es war sehr heiss. Nur der Wind meinte es nicht nett mit uns. Egal in welche Richtung wir fuhren, Rückenwind gab es leider nie! Ein Rennen in dieser Länge wird es wohl nie ohne Regenschauer geben! In der Nacht von Freitag auf Samstag hatten wir eine kurze Zeit Regen auf der Rennstrecke. Dieser war aber nicht sehr schlimm. Ich auf jeden Fall, war mir andere Regenschauer vom Glocknerman gewöhnt!

Nach einer perfekten Abfahrt vom Gotthardpass im dunkeln, erreichten wir um Mitternacht die Time-Stadion 10 in Brig. Von dort aus, gab es wieder einmal eine sehr lange flache Strecke zu bewältigen. Wir mussten durch das ganze Wallis bis nach Aigle fahren. Diese Strecke kannte ich wieder bestens von meiner Militärzeit!

Nach 25 Stunden trafen wir in Aigle ein. Mir ging es bis auf die Knieschmerzen immer noch sehr gut. Jetzt freute ich mich sehr, Richtung Heimat zu radeln. Als wir um 05:20Uhr in Montreux durchfuhren, sahen wir die letzten Partygänger die den Nachhauseweg suchten. Es war eine sehr lustige Situation! Ich sass bereits über 27 Stunden auf dem Rennrad und hatte noch 15 Stunden vor mir und diese Leute gingen nach Hause zum schlafen! So macht jeder dass, was er liebt!

Der Tag brach langsam auf und jetzt hatte ich auch zum ersten Mal mit der Müdigkeit zu kämpfen. Die Morgendämmerung schlug auf die Augen. Nach ein paar Koffein Activatoren von Sponser war aber dieses Problem schon wieder behoben und ich konnte konzentriert weiter fahren.

Die Heimat rückte immer näher und plötzlich traf ich um 08:15Uhr zwischen Moudon und Muntelier meine Rennradfreunde auf der Strecke. Sie standen extra zur frühen Stunde auf und fuhren mir entgegen. Gemeinsam fuhren wir eine Stunde lang Richtung Muntelier. Dabei wurde viel erzählt und gelacht. Dies gab eine schöne Abwechslung für mich, da ich bei diesem Rennen keine Musik über das Begleitfahrzeug laufen lassen durfte. Über diese Geste von meinen Rennradfreunden freute ich mich sehr!

Trotz meines Rückstandes von 2 Stunden auf meine Zeittabelle wurde ich von einer sehr grossen Fangemeinde in Muntelier empfangen. Während den 2 Stunden liessen sie sich von der Firmen Burla Getränke mit Kaffee und von der Bäckerei Aebersold mit Gipfeli verpflegen. Die Stimmung in Muntelier war einfach hervorragend. Jetzt gönnte ich mir eine längere Pause und liess mir auch die Beine massieren. Während der Massage genoss ich die Heimat pur in dem ich einen Stück Nidelkuchen verdrückte. Nach ca. 20 Minuten war aber schon wieder Schluss. Schlussendlich befand ich mich an einem Rennen und wollte so schnell als möglich ins Ziel. Dies waren noch 236 Kilometer entfernt und auch noch einige Höhenmeter. Nach dem ich mich bei allen Freunden verabschiedet hatte, ging es wieder mit dem Team 1, die sich ein paar Stunden im eigen Bett ausruhen konnten, weiter Richtung Neuhausen.

Das Wetter war wie am Vortag einfach wunder schön. Die Sonne schien und der Wind blies gegen uns. Teilweise musste ich sogar Bergabwärts richtig treten, damit ich nicht stehen blieb. Tritt für Tritt, Meter für Meter rückte das Ziel in die Nähe. Der schlimmste Teil kam aber noch! Von Laufenburg bis nach Eglisau ging es nur rauf und runter. Die Strecke über 40 Kilometer fand einfach kein Ende. Dabei wollte ich doch nur noch ins Ziel und mit meinen Betreuer ein kleines Fest veranstalten.

Gegen 20 Uhr war es geschafft. Jetzt war nur noch ein kurzes flaches Stück, welches das Team und mich vom Ziel trennte. Gleichzeitig tauchte das Team 2 auch wieder auf. So konnte ich die letzten 50 Kilometer mit dem gesamten Team bestreiten. Es wurde langsam Nacht und ich gab nochmals alles was ich konnte mit dem Triathlonrennrad. Um 21:20Uhr traf ich dann im Ziel in Neuhausen ein. Die Zieleinfahrt war sehr speziell und sehr schön. Man wurde von 2 offiziellen Begleitmotorrädern bis ins Ziel begleitet. Da die Zeit auch 5 Kilometer vor Neuhausen gestoppt wurde, konnte man sich Richtig Zeit lassen und die schöne Abenddämmerung geniessen und sich das Rennen nochmals kurz durch den Kopf gehen lassen. In Neuhausen ging es wieder direkt in die Festhalle wo alle meine Teammitglieder auf mich warteten. Es war eine riesige Stimmung in der Halle und ich durfte mit dem Rad wieder auf die Bühne hoch fahren. Mit tobendem Applaus wurde ich um 21:20Uhr empfangen. Es war eine unbeschreiblich schöne Zieleinfahrt. Nach einem kurzen Interview verliess ich die Bühne und bedankte mich beim ganzen Team. Danach gingen wir direkt Richtung Pizzeria, damit wir noch ein warmes Abendessen bekamen.

Nach wenigen Stunden Schlaf, packten wir am Sonntag unsere sieben Sachen zusammen und gingen um 10 Uhr in die Eishalle in Neuhausen um an der Rangverkündigung und dem grossen Morgenbrunch teilzunehmen. Dort trafen wir fast alle Teilnehmer und Teams nochmals und konnten so die letzten Gemeinsamkeiten austauschen. In dieser Szene trifft man immer wieder die gleichen Sportler und Teams. So fühlten wir uns am Sonntag beim Brunch schon fast wie bei einem grossen Familienfest mit dem das Rennen und der Sonntag zum Abschluss kam.

Mit der Rennzeit von 42 Stunden und 3 Minuten besetzte ich den 10. Rang. Ich und auch meine Teammitglieder sind mit diesem Endresultat sehr zufrieden. Mit der Tor Tour schliesse ich hiermit die Ultra Cycling Rennen im 2011 ab. Vielleicht werde ich das eine oder andere kleine Tagesrennen noch absolvieren. Dies werde ich aber jeweils kurzfristig entscheiden, da ich in ein paar Wochen zum ersten Mal Vater werde.